Yvonne Goulbier

Lichtraumpoesie

Was der Betrachter in den Räumen von Yvonne Goulbier weniger sieht als vielmehr erlebt, zwingt ihn zur Neubesinnung auf eine veränderte Realität …. Dabei gibt es nur wenige Künstler, die für die Realisierung ihres Konzeptes so auf die Benutzung des Realen angewiesen sind, wie Yvonne Goulbier. Wohlwissend, wie wichtig das reale Ausgangsmaterial des schon bestehenden Raumes für seine spätere Transformation ist, widmet sich die Künstlerin gewissenhaft der lückenlosen und nüchternen Recherche des Vorhandenen. Sie prüft die bauliche Struktur, die sichtbare Geschichte und spürbare Aura des Raumes, immer auf der Suche nach der Herausforderung, die in der Architektur bereits angelegt ist. Nicht von ungefähr sind ihre stärksten Arbeiten in Räumen mit starker architektonischer und geistiger Ausstrahlung entstanden …“

Yvonne Goulbier bevorzugt, um ihre Lichtkunst realisieren zu können, geschlossene Räume. „Ein Grund liegt in der technischen Notwendigkeit, alle äußeren Lichteinflüsse, also die natürlichen des Tageslichts, auszuschließen und so mit Hilfe von künstlichen Lichtquellen, sogenanntem Schwarzlicht, fluoreszierende Materialien zum Leuchten zu bringen.

Strenggenommen ist Yvonne Goulbier keine Künstlerin des Lichts, sondern der Dunkelheit. Schwarz ist der Zustand aus dem das Neue entstehen kann, Dunkelheit erfüllt die Räume bevor sie im Leuchten von Farbpigmenten ihre irisierende neue Existenz enthüllen. Das heißt, der eigentliche schöpferische Akt Yvonne Goulbiers besteht in der radikalen Entscheidung, die bestehende Realität zunächst in einer Art künstlicher Blindheit zu löschen – um danach umso intensiver auf das Auftauchen ‚innerer Bilder‘ einer herbeigesehnten, anderen Realität zu hoffen.

 

DURCHWANDERT ZEIT UND RAUM

Keller Schwebel, Winningen 2010

Yvonne Goulbier benutzt das Licht als technisches Instrument und den Raum als Inszenierungsgröße, um im Akt der künstlerischen ‚Verlagerung‘ von Realität hier Architektur und Licht in gewandelter Form neu entstehen zu lassen ….“  Es „entstehen so Gegenstände, die nur noch aus reiner, leuchtender Farbe zu bestehen scheinen, und die das Geborgte ihrer Existenz auf Zeit umso intensiver verströmen. Das hierfür benutzte Material kann aus allem möglichen bestehen, wichtig ist nur, es von seiner ursprünglichen spezifischen Normalität zu befreien und es in einen Zustand natürlicher Künstlichkeit zu versetzen. Selbst Objekten mit stupender Trivialität nimmt Yvonne Goulbier die stumpfe Macht des Realen durch Löschen, Verlagern, farbiges Aufladen und serielle Flut. Damit erhebt sie die Farbobjekte zu … künstlichen Bausteinen einer anderen Welt, mit der die bestehende nicht nachgeahmt werden soll, sondern in der sich der Wunsch nach eigenen Gesetzen und Visionen erfüllt: nämlich Naturfaszination, romantische Überhöhung, ästhetische Schönheit, artifizielle Vollkommenheit und Gewinn durch Verlust.

– Eckhard Schneider, 1998 Auszüge aus dem Katalogtext: Yvonne Goulbier Lichträume, Cibachrome, Bilder, Herausgegeben von der Kulturstiftung Schloss Agathenburg anlässlich der Ausstellung von März bis Mai 1998

ORTE DER STILLE – LICHTRÄUME VON YVONNE GOULBIER

 

Mit meinen Lichtinstallationen schaffe ich von der Außenwelt abgeschirmte Räume, die den Betrachter in eine andere Wirklichkeit entführen, in eine Welt der Träume und Poesie. Mit Schwarzlicht und fluoreszierenden Materialien entstehen „metaphysische“ Landschaften, die mit dem vorgefundenen Ort korrespondieren und seine Realität in eine gleichsam schwebende Metaebene des Phantastischen und Irrealen verwandeln.
Den Dialog zwischen den Wirklichkeiten suche ich nicht nur im musealen Bereich, sondern vor allem in „gelebten“, historisch geformten Räumen.